Hotelinvestmentmarkt: Core-Objekte und alternative Konzepte im Fokus

Zum Ende des ersten Halbjahres werfen bekannte Hotelmarkt-Experten wieder einen Blick zurück und wagen eine vorsichtig optimistische Prognose für den weiteren Verlauf des Jahres ab. „Die letzten drei Monate waren die transaktionsstärksten seit rund einem Jahr“, freut sich René Schappner, Head of Hotel bei Colliers. Größte Einzeltransaktion bisher war der Verkauf des Hotelturms am Mailänder Platz in Stuttgart. Nach Angaben von Colliers wechselten im ersten Halbjahr 2021 Hotelimmobilien für knapp über 1 Mrd. Euro den Besitzer. Dennoch will Schappner noch nicht von Normalität sprechen. Denn das Ergebnis liegt 22 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Zudem erhole sich der Hotelimmobilienmarkt langsamer als der gesamte gewerbliche Immobilienmarkt. „Das liegt derzeit weniger am mangelnden Investoreninteresse, sondern überwiegend an dem weiterhin schwierigen Finanzierungsumfeld für Hotelimmobilien*. Absolute Core-Objekte haben es hier leichter und wurden auch in diesem Quartal wieder gehandelt“, meint der Experte.

Berücksichtigt sind hier Einzeltransaktionen mit einem Investitionsvolumen von mindestens 5 Mio. Euro sowie Portfoliotransaktionen mit Objekten ausschließlich in Deutschland. Ebenso enthalten sind deutsche Hotels, die als Teil von grenzüberschreitenden Portfolioverkäufen veräußert werden. Quelle: Hotels & Hospitality Group von JLL

Potenzial für Longstay und Living

Heidi Schmidtke, Managing Director der Hotels & Hospitality Group von JLL, spricht bei diesen Immobilien mit bonitätsstarken Pächtern sogar von Premium-Preisen. „Gerade solche Produkte rufen konkurrierende Interessenten auf den Plan.“ Weitere Portfoliotranskationen waren im zweiten Quartal 2021 die Veräußerung des Holiday Inn, Hotel Indigo und One80°-Hostels am Alexanderplatz in Berlin sowie die als Notverkauf ausgewiesene Transaktion zweier Maritim Hotels in Gelsenkirchen und am Timmendorfer Strand. Für das zweite Halbjahr erwartet Schmidtke „eine Rückkehr zu wieder mehr strukturierten Verkaufsprozessen und damit auch zu mehr Transparenz.“ Eine Welle von Notverkäufen sei ihrer Ansicht nach nicht zu befürchten, dennoch sieht die Expertin mit der steigenden Anzahl betreiberfreier Hotels eine Chance für hotelähnliche Serviced-Apartment- und Living-Konzepte.

Laut Analyse von BNP Paribas Real Estate konnten A-Standorte im zweiten Quartal wieder zulegen, dort wurden in Q2 gut 470 Mio. Euro investiert. Bei den Käufern lagen Family Offices (26 %) knapp vor Spezialfonds (25 %). Zudem waren wieder vornehmlich heimische Investoren auf dem deutschen Hotelinvestmentmarkt aktiv. Der Anteil inländischer Käufer stieg auf rund 70 Prozent. Alexander Trobitz, Geschäftsführer und Head of Hotel Services der BNP Paribas Real Estate, hofft nun auf höhere Investmentumsätze, wenn auf Eis gelegte Investmentprozesse durch steigende Impfquoten und eine Erholung des Reisemarkten zum Abschluss gebracht werden können.

 

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